Proporzwahl

Die Sitzverteilung in den fünf Wahlkreisen wird im Proporzverfahren errechnet. Im Proporzwahlsystem (1905 eingeführt) werden die Mandate proportional, d.h. im Verhältnis zum Stimmenanteil der Parteien verteilt.

                                                                       © juri.weiss/bs.ch
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Der Proporzeffekt ist umso genauer, je grösser die Zahl der im Wahlkreis zu vergebenen Mandate ist. Dies gewährleistet, dass auch kleinere Parteien im Grossen Rat vertreten sein können. Allerdings besteht in Basel-Stadt mit dem Vier-Prozent-Quorum eine hohe Wahlhürde. Gewählt sind jene, die innerhalb der Liste ihres Wahlkreises am meisten Stimmen haben.

Lange wurden die Grossratssitze nach dem Hagenbach Bischoff-Verfahren (Nationalratsproporz) verteilt. 2011 beschloss der Grosse Rat als erstes Parlament der Schweiz den Wechsel zum Sainte-Laguë-Verfahren. Verzerrungen zugunsten der grossen Parteien sollen so vermindert werden.

Das Sainte-Laguë-Verfahren

Das Sainte-Laguë-Verfahren ist von seiner Systematik her mit dem Verfahren nach Hagenbach-Bischoff vergleichbar. Während jedoch Hagenbach-Bischoff die Sitzansprüche generell abrundet (Divisorverfahren mit Abrundung), verwendet das Sainte-Laguë-Verfahren die Standardrundung (Divisorverfahren mit Standardrundung). Konkret wird dies durch eine kleine Änderung bei der Verteilung der Restmandate umgesetzt: Können durch die erste Verteilung nicht alle Mandate vergeben werden, so ist die Gesamtstimmenzahl jeder Liste durch die um eins erhöhte verdoppelte Zahl der bereits erhaltenen Sitze zu teilen. Der erste noch offene Sitz wird jener Liste zugeteilt, die den grössten Quotienten aufweist. Dieses Verfahren wird wiederholt, bis alle Mandate vergeben sind (§ 53 Wahlgesetz). Die Änderung gegenüber Hagenbach-Bischoff besteht nur in der Einführung des Wortes «verdoppelte». In den Wahlprotokollen der Wahlkreise kann die Verteilung der Sitze nachgerechnet werden.

Wahlprotokolle | Wahlkreise

4-Prozent-Hürde (Wahlquorum)

Parteien werden nur in jenen Wahlkreisen zur Sitzverteilung zugelassen, in denen sie mindestens 4 Prozent der Stimmen erreicht haben. Das stellt für kleine Parteien oder Gruppierungen eine ernsthafte Hürde dar.

Der Grosse Rat beschloss diese Regelung ebenfalls 2011, im Zuge einer grösseren Reform des Wahlverfahrens. Erstmals wirksam wurde sie mit den Grossratswahlen 2012. Zuvor, seit 1994, mussten die Parteien oder Gruppierungen in mindestens einem Wahlkreis fünf Prozent der Stimmen erreichen, um dann in allen Wahlkreisen zur Sitzverteilung zugelassen zu sein.

Am 13. April 2016 hat der Grosse Rat beschlossen, das Wahlquorum auf die Grossratswahlen 2020 hin abzuschaffen. Der dazu nötigen Verfassungsänderung hat die Stimmbevölkerung am 12. Februar 2017 zugestimmt.

Listenverbindungen

Listenverbindungen (ursprünglich 1923 eingeführt) sind bei Grossratswahlen nicht mehr erlaubt. Vor 2011 konnten Parteien eine strategische Wahlallianz eingehen, um bei der Mandatszuteilung wie eine einzige Partei behandelt zu werden. Damit erhöhte sich für solche Allianzen die Chance auf die Zuteilung von Restmandaten. Für die Wahl des Nationalrates (eidg. Wahlrecht) sind Listenverbindungen weiterhin zulässig.

Das andere Wahlverfahren: Majorz

Bei Majorzwahlen treten Kandidierende als Einzelpersonen an. Gewählt ist, wer eine Mehrheit der Stimmen erhält. Damit haben kleine Parteien in der Regel geringe Wahlchancen. Der Regierungsrat wird im Gegensatz zum Grossen Rat im Majorzsystem gewählt; ebenso das baselstädtische Mitglied des Ständerats.