Im April 1917 beschliesst der Grosse Rat den Bau des Hafens in Kleinhüningen, den ersten richtigen Basler Rheinhafen. Trotz drückender Kriegsjahre spricht er das Geld für das «Goldene Tor» zu den Weltmärkten einstimmig.

Schwarz-weiss Foto: Das erste dampfende Schiff läuft in den neuen Hafen Kleinhueningen ein
Einfahrt im neuen Hafen, 1923  © e-pics
Im Oktober 1916 wünscht Grossrat Dietrich per Interpellation zu wissen, ob die Studien für das Projekt eines Rheinhafens in Kleinhüningen abgeschlossen und die Pläne ausgearbeitet sind. Der Regierungsrat legt dar, dass solche bereits seit Frühjahr 1915 vorliegen, «aber infolge der kriegerischen Ereignisse liegen gelassen wurden». Zudem schielt der Regierungsrat auf Bundessubventionen – erst danach will er für die weitere Finanzierung an den Grossen Rat gelangen.
 

3,5 Mio. Franken für Hafen und Landerwerb

Im April 1917, noch bevor Bundesmanna fliesst, beantragt der Regierungsrat dem Grossen Rat dann aber doch 3,5 Millionen Franken: Für die erste Etappe des Hafenausbaus auf Kleinhüninger Seite und für Landerwerbungskosten. Der Grosse Rat stimmt dem für die Handels- und Industriestadt Basel wegweisenden Projekt mit 81 zu null Stimmen zu - trotz äusserst schwieriger Situation mit Krieg, überteuerten Lebensmitteln und Brennstoffknappheit. Es wird für bessere Zeiten geplant und investiert. SP-Fraktionssprecher Strub mahnt allerdings, dass mit dem Bau und Betrieb des neuen Hafens «kein neues Lumpenproletariat» erzeugt werden darf.

Auch ein Kraftwerk war geplant

Nicht dass bis dahin keine Schiffe in Basel anlegen konnten. Jahrhundertelang legen Schiffe an der Schifflände an. Ab 1904, mit dem Aufkommen der regelmässigen Dampfschifffahrt, steht ein Quai am St. Johanns-Rheinweg zur Verfügung. Dieser wird bis 1911 zu einer Hafenanlege mit Kränen ausgebaut, primär für die «Chemischen». Die Hafenquais im St. Johann erweisen sich allerdings rasch als zu klein und die dortige Uferböschung für manche Waren als zu hoch. Das gegenüberliegende Ufer eröffnet viel mehr Potenzial.

Klar scheint 1917, dass der neue Hafen nur Teil eines Hafenausbaus ist, dem bald ein zweites Hafenbecken und namentlich auch ein grosser Umschlagshafen in Birsfelden folgen soll. Die Basler Planer sehen für eine spätere Phase zudem ein Kraftwerk mit Stauwehr in Kleinhüningen vor, nach dem Vorbild des wenige Jahre zuvor erbauten Kraftwerks Augst.

Vom Fischerdorf zur Hafenstadt

Nach dem Grossratsbeschluss von 1917 wird das Land am Rheinbord vielen kleinen Landbesitzern, die dort ihre Gemüsegärten unterhalten haben, abgekauft. Vor dem Zivilgericht kommt es auch zu Expropriationsprozessen. Im Februar 1919 feiert Basel den Spatenstich seines ersten richtigen Hafens. Die grundlegende Umgestaltung Kleinhüningens vom Fischer- und Gemüsegärtnerdorf zu einer Hafenstadt beginnt. Im August 1923 fährt der erste Schleppzug unter feierlicher Beflaggung und tiefschwarzen Dampfwolken in das neue Hafenbecken 1 ein (Bild).

Text: Eva Gschwind/André Salvisberg/ParlD. Quellen: Grossratsprotokolle vom 12.10.1916 und 26.4.1917; Nationalzeitung, 28./29.4.1917; Barbara Lüem: Heimathafen Basel, 2003. Bildnachweis: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Unbekannt / Fel_004412-RE / Public Domain Mark 

 

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