Im März hat die Grossrats-Webseite ein moderneres und gänzlich responsives Design erhalten, zudem war die Barrierefreiheit – die Lesbarkeit für behinderte Menschen – ein zentrales Ziel. Doch wie dieses überprüfen? Der Parlamentsdienst hat die Webseite in Zusammenarbeit mit Grossrat Georg Mattmüller, Geschäftsführer des Behindertenforums, von Sehbehinderten testen lassen.

Barrierefreiheit b300
Mattmüller, Frankenbach und Tran beim Check

Das Internet: Für sehbehinderte Menschen bedeutet es trotz neuer Technologien eine erdrückende Informationsflut und einen mühsamen Hindernislauf. «Internet ist für Blinde fast nicht standardisiert erlernbar, weil es so viele verschiedene Seitengestaltungen gibt», sagt Hy Tran, der bei der Sehbehindertenhilfe Basel als blinder Lehrer arbeitet. Es sei viel schwieriger zu erlernen als Textverarbeitung. Entsprechend kenne er viele Sehbehinderte, die das Surfen bald aufgeben. Und Politik sei wohl für manche kein prioritäres Interesse.

Der Grosse Rat, immerhin die Volksvertretung, will jedoch auch Menschen mit Behinderung den Zugang zu seiner Webseite bestmöglich erleichtern. Um deren Barrierefreiheit zu überprüfen, führte der Parlamentsdienst zusammen mit SP-Grossrat und Behindertenvertreter Georg Mattmüller eine Umfrage unter sehbehinderten Menschen durch.

Gute Noten für die Webseite

Die bisherigen Rückmeldungen sind positiv: Die Gestaltung sei übersichtlich und hindernisfrei, und die Grafiken seien gut mit alternativen Texten hinterlegt. Klar wird aber auch, dass Nutzer in jedem Fall eine gute Portion Knowhow und Zeit benötigen, um mit einer Seite vertraut zu werden. Und dass die Sprachausgaben (Textvorleseprogramme) je nach Einstellung Ärgernisse bereithalten, indem z.B. zu viel Technisches vorgelesen wird.

Der Informatik-Lehrer Hy Tran hält es für illusorisch, dass eine Website von allen als problemlos empfunden wird. Ihn haben Georg Mattmüller, Parlamentsdienst-Webmaster Peter Frankenbach und der verantwortliche Webdeveloper Dennis Riegelsberger (Lab5) in der Sehbehindertenhilfe Basel besucht, um sich die Benutzung der Grossrats-Webseite durch einen Blinden veranschaulichen zu lassen. Die Besucher staunten über das rasante Navigieren per Tastatur und die Vorlesegeschwindigkeit des Screenreaders. Tran fand auch ein spezifisches Grossratsgeschäft in der Datenbank rasch über die Suchfunktion. Klarer wurde ausserdem, dass Screenreader auch mit PDF gut umgehen können, sofern sie richtig abgespeichert worden sind.

Auch Google ist sehbehindert

Nicht zuletzt wurde deutlich, dass Behinderten die gleichen Massnahmen dienen, die auch für die Suchmaschinenoptimierung zentral sind: Aussagekräftige Titel, klare Gliederung von Überschriften, Absätzen und Navigationsleisten, Wichtiges am Anfang, aussagekräftige Linktexte, Bilder mit Alternativtexten etc. Oder wie es Webmaster Peter Frankenbach ausdrückte: «Auch Google ist sehbehindert».

Der Parlamentsdienst nimmt gerne weitere Rückmeldungen zur Barrierefreiheit der Grossrats-Webseite entgegen. (M: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; T: 061 267 85 71).

Für Menschen mit Behinderung bietet Basel-Stadt seit 2016 als erster Kanton auch e-Voting, also elektronisches Abstimmen an. Noch nicht möglich ist elektronisches Wählen.

Text und Bild: Eva Gschwind, ParlD

 

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