Am 9. Mai 1968 nahmen neben 116 Grossräten erstmals auch 14 Grossrätinnen im Basler Parlament Platz. 50 Jahre danach luden der Grosse Rat und der Verein frauenrechte beider basel zur Jubiläumsfeier. Unter dem Titel «Laute Töne, leise Töne – Was wurde erreicht?» blickten rund 150 bisherige Grossrätinnen und Gäste zurück und erinnerten an viele Rechte, die es für die Frauen nach 1968 noch durchzusetzen galt. Zudem wurde ein Anfang gemacht, um Frauen in der reichen Bilderwelt des Rathauses auch als Politikerinnen darzustellen.

Frauen 50 Jahre Grossraetinnen Nicole Pont
Politikerin statt Justitia - Enthüllung Porträt Spiess © Nicole Pont 

 

Die Frauen seien in der Geschichte lange vergessen gegangen, stellte Dominique König-Lüdin, Grossratspräsidentin 2016 und Schirmherrin des Anlasses, eingangs fest. «Wir möchten feiern, aber auch einen Beitrag zur Aufarbeitung der Basler Geschlechter- und Parlamentsgeschichte leisten». Unter den vielen Gästen durfte sie zwei Pionierinnen von 1968, Louise Stebler (PdA) und Rosemarie Berger-Kartaschoff (LdU) begrüssen.

Den Aufbruch von frau ins Basler Rathaus inszenierten am Jubiläumsabend junge Schauspielerinnen, die Bügelbrett und Baby alsbald mit Politdossiers und Rednerpult tauschten und für viele Lacher sorgten. Auch Grossratspräsident Remo Gallacchi lieferte in der Rolle des damaligen Alterspräsidenten eine Schauspieleinlage.

Dem Theater folgten kurze Video-Interviews mit acht früheren Grossrätinnen, die einer Zeitreise gleich kamen. Viele Rechte und Anliegen, bei denen die Frauen einen neuen Blick einbrachten, waren nach 1968 noch durchzusetzen: etwa, nach der Heirat das Bürgerrecht zu behalten oder als Frau ein Tram zu lenken, erinnerte sich Christine Heuss (FDP). Ein politischer Dauerbrenner waren Betreuungsangebote für Kinder. Anita Fetz (SP) sprach über die «lauteren Töne» der starken feministischen Bewegung der 1980er Jahre und die damaligen Spannungen mit moderater denkenden Frauen. Am Schluss waren sich die Zeitzeuginnen einig: Im Grossen und Ganzen ist die gesetzliche Gleichstellung heute erreicht; in der Umsetzung bleibe allerdings noch manches zu tun. Mit Regina Wecker, Professorin für Frauen- und Geschlechtergeschichte, kam auch die Wissenschaft zu Wort.

Tat statt Tugend: Politikerin statt Justitia oder Veritas

Im Anschluss an die Feier im Grossratssaal enthüllte Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann ein Bronzeporträt der ersten Grossratspräsidentin und ersten Basler Nationalrätin Gertrud Spiess (CVP). Das Porträt, das 1984 von der Bildhauerin Helen Balmer geschaffen wurde und dem Kunstkredit gehört, empfängt nun bis auf weiteres Besucherinnen und Besucher und will ihnen einen Denkanstoss geben: Wie steht es mit der Darstellung von Frau im Rathaus? Auf Rundgängen mit Michela Seggiani, Projektleiterin in der Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern, konnten die Teilnehmenden feststellen: Frauen sind fast immer als Allegorie dargestellt, die reale Politikerin fehlt – bis jetzt.

Flyer "Frau wird hörbar. Frau wird sichtbar". 50 Jahre Frauen im Basler Parlament (PDF; 3,5 mb)

Bildimpressionen:

Frauen 50 Jahre Grossraetinnen Kenneth Nars
Noch Bügelbrett, bald Politbühne © Kenneth Nars  
50 Jahre Grossraetinnen Pionierinnen Nars
Pionierinnen 1. Reihe: Louise Stebler und Rosemarie Berger © Kenneth Nars  
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